Mit der Eintracht nach Bordeaux

01 Dec 2013

12.000 Fans reisen 1.200 km und hüllen Bordeaux in orange

Die Eintracht in der Europa League

Donnerstag, 28. November 2013 – Der vorletzte Spieltag der Europa League Gruppenphase stand an und die Eintracht aus Frankfurt konnte, nachdem sie bereits 9 Punkte aus den ersten 4 Gruppenspielen holte, mit einem Unentschieden bei Girondins Bordeaux den Einzug in die K.O.-Phase sicherstellen. Für die Frankfurter Fans sind die europäischen Partien in der laufenden Saison ohnehin etwas besonders, haben sie auf internationale Pflichtspiele ihrer Mannschaft doch viele Jahre warten müssen. Außerdem konnte die Eintracht in der laufenden Saison aus 4 Europa League-Spielen bereits 3 Siege einfahren. In der Bundesliga standen nach 13 Spieltagen dagegen lediglich 2 Siege auf ihrem Konto.

Dies waren Gründe genug für tausende Anhänger, das letzte Auswärtsspiel ihrer Mannschaft in der Gruppenphase der Europa League zu einem ganz besonderen Ereignis werden zu lassen. Um dem Event auch optisch eine Besonderheit zu verleihen, riefen die Ultras zur „Orange-Kaos-Tour“ auf. Alle Eintracht-Fans sollten sich orange kleiden. Entsprechende Fanartikel, wie z.B. eine orangene Mütze, wurden eigens für diese Aktion besorgt.

Sage und schreibe 12.000 Eintracht-Fans wollten an diesem Donnerstagabend dabei sein. Nach Medienberichten sollen mehr als 80 Busse in Richtung Bordeaux aufgebrochen sein. Hinzu kamen Fans die per Flugzeug, Bahn und privatem PKW anreisten. Viele Fans, darunter auch unsere fünfköpfige Truppe, traten die Reise bereits am Mittwochabend an. Wir schlossen uns der Bustour der „Bratwurst Walter Gang“ an, die mit 4 Doppeldeckerbussen unterwegs war.

Die Hinfahrt

Abfahrt Bensheim: Mittwoch, 22:00 Uhr. Die Stimmung an Bord war gut. Nach dem Einsteigen wurden wir herzlich begrüßt und sofort mit gekühlten Getränken versorgt, die übrigens im Fahrpreis enthalten waren. All Inclusive sozusagen! Nach zwei weiteren Stopps in Mannheim und in der Nähe von Kaiserslautern, bei denen noch weitere Fans zustiegen, ging es weiter in Richtung Frankreich. Von der Polizeikontrolle kurz hinter der Grenze blieb unser Bus glücklicher Weise verschont. Zwar wurden wir von der Polizei auf einen Parkplatz gelotst auf dem bereits zahlreiche andere Busse standen, allerdings blieb uns eine Kontrolle erspart. Offenbar überstieg die Anzahl der ankommenden Fan-Fahrzeuge die Ressourcen der Polizei. Nach kurzer Passage über den Parkplatz ging es, für uns jedenfalls, gleich wieder zurück auf die Autobahn.

Doch auch ohne einen Zwischenstopp an der Grenze gestaltete sich ich die Hinfahrt relativ zäh. Zwar hatten wir eine Toilette an Bord, welche in den ersten Stunden auch durchaus noch ohne ekelempfinden für das „kleine Geschäft“ benutzt werden konnte, allerdings wurden natürlich trotzdem regelmäßig Pausen eingelegt, um „größere Geschäfte“ zu machen, eine Zigarette zu rauchen oder sich einfach mal die Beine zu vertreten. Neben einigen wenigen Situationen, mit mehr oder weniger unabsichtlichem Austritt von Körperflüssigkeiten, verlief die Fahrt relativ ruhig und nach gut 13 Stunden erreichten wir endlich die Stadtgrenze von Bordeaux. Dort wurden wir, wie alle anderen Busse mit Eintracht-Fans, von der örtlichen Polizei an einer Maut-Stell in Empfang genommen und auf dem Seitenstreifen eingereiht. Von dort ging es dann in kleinen Konvois mit Polizeieskorte in Richtung Innenstadt. Voran fuhren Polizeimotorräder mit Blaulicht, die uns den Weg durch die Stadt bahnten. Wir überfuhren rote Ampeln und der Verkehr hielt für uns. Auch der Papst hätte wahrscheinlich für nicht viel mehr Aufsehen gesorgt, als unser Eintracht-Konvoi!

Ziel des Konvois war ein Busparkplatz in unmittelbarer Nähe des Stadions. Dort durften wir dann, nach insgesamt 14 Stunden Fahrzeit, den Bus endgültig verlassen und uns zu Fuß in Richtung Zentrum aufmachen. Je näher wir der Innenstadt kamen, desto mehr Orange war zu sehen. Als verabredeter Treffpunkt galt der Irish-Pub in der Innenstadt. Dort waren an diesem Tag aber weder französische, noch irische Gäste anzutreffen. Stattdessen bevölkerten hunderte von orange gekleideten Frankfurtern das Lokal!

Impressionen aus Bordeaux

Ein Tag in Bordeaux

Nach einer ausgiebigen „Café-Bistro-Kneipentour“ durch Bordeaux bei traumhaft sonnigem Winterwetter und durchaus freundlichem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, versammelte sich die „Gästegemeinde“ dann gegen 18:30 Uhr in den Straßen von Bordeaux zum gemeinsamen Marsch zum Stadion. Dies sollte, zumindest für mich, zum eindrucksvollsten Teil der Reise werden. An den vereinbarten Treffpunkt kamen wir allerdings nicht mehr ganz, da die Polizei die dort befindlichen Fans bereits abgeschottet hatte. Also wartete unsere Gruppe in einigen hundert Metern Entfernung des Treffpunkts auf den Start der Meute, um sich dieser anzuschließen.

Der Marsch zum Stadion

Nach dem Zusammenschluss der Gruppen, bildete sich eine beeindruckende Masse von tausenden, orange gekleideten und singenden Frankfurtern, die durch die Straßen zogen. Die Fenster und Balkontüren der Anwohner öffneten sich, um dem Schauspiel staunend beizuwohnen. Kameras und Handys wurden gezückt um das Spektakel aus der Vogelperspektive festzuhalten. Sicher hatten die Bewohner von Bordeaux ein solches Schauspiel in ihrer Stadt anlässlich eines Fußballspiels noch nicht erlebt.


Am Stadion

Nachdem der Zug, das direkt in der Stadt gelegene Stadion erreicht hatte, bevölkerten viele Fans, darunter auch unsere Gruppe, die umliegenden Kneipen, da die Stadion-Tore zwischenzeitlich geschlossen waren. Allerdings lag die von uns aufgesuchte Bar einige Meter außerhalb des polizeilichen Sperrgebiets, was kurzerhand zur Räumung der Bar führte. Diese wurde von der französischen Polizei, in einer außergewöhnlich freundlichen Weise, vollzogen. Man entschuldigte sich förmlich für den Rauswurf und gab uns auch noch einen kurzen Moment, die bestellten Biere in Empfang zu nehmen und diese, unter den herrschenden Verwirrungen unentgeltlich zu verköstigen. Wir möchten uns hiermit nochmal herzlich für das, durch die französische Polizei verursachte, Freibier bedanken! Schließlich begaben wir uns dann, rechtzeitig zum Anpfiff, auf unsere Plätze im Stadion. Eine Sicherheitskontrolle beim Einlass fand im Prinzip gar nicht statt. Lediglich die Mitnahme der kurz zuvor geöffneten Glasflasche eines lokalen Weins wurde uns verwehrt. Ansonsten wurde keinerlei Taschenkontrolle durchgeführt und auch die mitgeführten, vollen Bierbecher durften ohne Widerworte mit in das Stadion genommen werden. Auf unseren Plätzen angekommen, durften wir uns über eine zahlen-, und stimmmäßige Überlegenheit der Eintracht-Fans freuen. Gegen die Kurve der Eintracht, die sich fahnenschwenkend, in einheitlichem orange gekleidet und sangeskräftig präsentierte, zeigte sich die gegenüberliegende Fan-Zone der Heimmannschaft Girondins Bordeaux eher als verklemmter Knabenchor.



Das eigentliche Fußballspiel, das den Anlass zu all der europäischen Reisebewegung gegeben hat, war zugegebenermaßen von schwachem Niveau. Die erste Halbzeit konnte man, zumindest als Frankfurter, getrost vergessen. Nur die Fans der Eintracht hielten das Niveau auf angemessener Ebene.


Als Erlöser vor dem drohenden 0:0 trat schließlich Martin Lanig in der 83. Minute in Aktion. Sein Tor brachte die Eintracht endgültig in die nächste Runde der Europa League und erlöste tausende von Fans.


Auch nach dem Schlusspfiff feierten die Eintracht-Fans kräftig weiter. Während die ca. 8.000 Einheimischen das Stadion verließen, zelebrierte die orangene Kurve den Sieg, feierte die Mannschaft, den Trainer und natürlich sich selbst.

Die Rückfahrt

Die Rückfahrt aus Bordeaux wurde direkt nach dem Spiel angetreten. Kurz nach Mitternacht waren tatsächlich alle Insassen wieder am Bus versammelt und nahmen die Plätze ein, die sie erst 12 Stunden zuvor verlassen hatten. Auch für die Rückfahrt benötigten wir wieder 14 Std. Allerdings verhalfen die Strapazen der Hinfahrt und der getränkereiche Tag in Bordeaux uns zu deutlich mehr Schlaf. Bis auf eine missbräuchliche Benutzung der Bordtoilette, verlief die Rückfahrt ohne Zwischenfälle. Am Freitag um 14:00 Uhr kamen wir sicher aber etwas lädiert in Bensheim an!

Fazit

Reisedauer insgesamt: 40 Std.

Im Bus gesessen: 28 Std.

Fußball geguckt: 90 min.

Die Tour war richtig anstrengend.
Spaß hat’s aber trotzdem gemacht!

[hs]



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